Wien Marathon: Versöhnung mit 42,195km

Wochenlanges Training und dann streikt wenige Tage vorm Marathon das Knie. Es folgt ein kleines Drama, ein positive Wendung dank Physiotherapeut und dann der Startschuss zur 42,195km langen Reise durch Wien. Es war eine schöne Tour durch die österreichische Hauptstadt mit einer neuen Bestzeit über die Marathon Distanz. Meine Bilanz zum vienna city marathon 2017 und weshalb ich jetzt nach Boston will.

DER LAUF

Die Ruhe vorm Startschuss.

Rechts neben mir stehen drei ältere Herren aus der Schweiz, die bereits viele Marathons gelaufen sind und entspannt auf den Start warten. Links hinter mir stehen zwei Freundinnen, die mit ihrem bewusst schlechten Gesang alle in ihrem Umkreis aufheitern und ihre eigene Party feiern. Und mittendrin ich, im Startblock 3, am 23.4. in Wien. Frierend. Einlaufen habe ich mal wieder verplant und so zittere ich mich warm. Memo an mich: In Zukunft einlaufen, nicht so früh in den Startblock und dann Kleidung anlassen, die ich nicht mehr brauche und direkt kurz vorm Start „wegwerfen“ kann.

In Wien starten alle Läufer der verschiedenen Wettbewerbe zusammen. Also Marathon, Halbmarathon und Staffelmarathon. Auf die Strecke werden die Läufer*innen in Wellen gelassen. Für mich ging es also gegen 9.15 Uhr los. Und ich lies es locker angehen. Mein Ziel war es eine Pace von 5:20min/km zu laufen und das ging trotz der vielen Läufer ziemlich bald ziemlich gut. Wegen Bedenken, dass mein Knie zu zicken beginnt, lief ich phasenweise bewusst außen, auf Gehsteigen, oder im Prater auf dem Weg neben der Allee damit ich keine „Hacken“ schlagen musste.

Wo ist die blaue Linie?

Und so komme ich zu Phänomen 1: Es gab in Wien keine blaue Linie. Also wusste ich auch gar nicht wie ich konkret auf meine 42,195km kommen würde. Zu Beginn des Laufes stimmte die Kilometerzahl meiner Uhr und die der offiziellen Strecke noch relativ gut überein. Aber mit der Zeit sagte meine Uhr immer viel früher „km xy“ bevor das dazu gehörige Schild kam. Also zeigte mir meine Uhr am Ende auch eine gelaufene Strecke von 43,14km an.

Der Marathon lief. Ich lief. Es war schön. Besonders emotional fand ich beispielsweise die Kilometer zwischen 18 und 21, weil hier viele Leute am Straßenrand standen und sich das Laufen sehr locker anfühlte. Etwas zu locker. Ich lief hier mit etwa 5:00min/km. Und das traute ich mir nicht zu noch bis ins Ziel zu halten. Also habe ich mich bewusst eingebremst und ging wieder zurück auf ca. 5:15min/km.

Es ist reine Kopfsache

Es wird einem ja gesagt, bei km35 kommt der Mann mit dem Hammer, am Ende ist es ein Kampf. Ja, ja,.. schon klar. Viel dabei ist auch Kopfsache. Ich wollte diese Qual nicht. Sicher von Kilometer zu Kilometer wurden die Beine ein wenig schwerer, aber es kam kein Einbruch. Das lag auch daran, dass etwa bei km32 mein Freund einstieg und mich begleitet. Das war eine Wohltat, weil die Strecke zu diesem Zeitpunkt im Prater ziemlich zäh war. So gut wie kein Publikum am Wegesrand, viele Läufer beginnen zu kämpfen, müssen wegen Krämpfen gehen und ja, da konzentriert man sich besser auf sich selber bzw. lief ich brav meinem Freund hinterher. Immer wenn ich nicht mehr wollte, oder das Gefühl hatte schwach zu werden, konzentrierte ich mich auf meine Laufhaltung. Köpfchen hoch. Kraftvoll. Hände locker. Lächeln.

Die letzten drei Kilometer lief ich dann wieder alleine und genoss es, dass wieder mehr Menschen am Straßenrand standen, das Gefühl „ich schaffe es“ klar war und das Ende in Sicht. Vor lauter Glück und Dankbarkeit, dass es „gut wird“ hätte ich fast bei km 40/41km zu heulen begonnen. Habe mich dann aber darauf fokussiert einfach schneller zu laufen damit ich ins Ziel komme.

Glücklich im Ziel mit meiner Blingbling-Medaille.

Und ins Ziel kam ich dann nach 3:46h.

 

DIE TAGE VORM MARATHON

Leider zickte mein Knie rum als ich am Donnerstag in Wien ankam. Ich konnte nicht ordentlich gehen, um genau zu sein hatte ich Schmerzen beim Gehen und sollte am Sonntag einen Marathon laufen. Da war ich sehr frustriert und verunsichert. Deshalb ging ich am Freitag bei der Marathon Messe zu einem Physiotherapeuten. Er gab mir dann grünes Licht: Bänder, Meniskus alles ok. Nur eine Reizung im Knie. Es gab dann ein Tape, ich arbeitete viel mit der Blackroll und am Marathontag war tatsächlich alles gut. Wieder gemerkt: Gesundheit ist alles.

 

VORBEREITUNG UND DIE MOTIVATION

Zwölf Wochen lang habe ich mich auf den Marathon vorreitet. Abgesehen von zwei Wochen lief alles nach Plan. Das war auch mein primäres Ziel: Eine ordentliche Vorbereitung. im September 2015 lief ich in Berlin meinen ersten Marathon in 4:07h und dafür habe ich mich fast gar nicht vorbereitet. War unter dem Lauf schlecht gelaunt und ja, nicht mit dem Herz bei der Sache.

Phänomen 2: Sage nie nach einem Lauf „das mache ich nie wieder“. Ich habe nun Lust herauszufinden wie schnell ich einen Marathon laufen kann. Habe schon Ideen wie ich mein Training etwas anders gestalten werde.

 

AUSBLICK

Ich träume von der Qualifikationszeit für den Boston Marathon. Sie liegt bei 3:35h. Dieses Jahr werde ich aber keinen Marathon mehr laufen, weil ich andere Prioritäten setzen werde. Da ich aber sehr gerne gezielt trainiere, werde ich in Unterhaching beim „run 4 trees“ die sub 1:40h bei der Halbmarathon Distanz angreifen.

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