Zeilen darüber, weshalb ich aktuell lieber auf Trails statt Asphalt laufe, der leichtsinnigen Teilnahme an extrem langen Läufen in den Bergen und weshalb es am Ende doch die Mischung aus Straße und Waldboden macht.

Im linken Augenwinkel sehe ich wie eine braun-weiß gefleckte Kuh gemütlich vor sich hin kaut. Für die Geräuschkulisse sorgen die Vögel und eine wandernde Familie mit ihren Kindern. Ich konzentrierte mich allerdings auf den schmalen Weg, der sich vor mir hinab ins Tal schlängelt. Es gilt den richtigen Tritt zu finden zwischen all den Wurzeln und den Steinen. In diesem Moment kann und will ich an nichts anderes denken. Nur der Moment, nur der nächste Schritt zählen.
Für dieses Gefühl liebe ich das Trailrunning.

Ich habe den Eindruck, dass es immer mehr Leute auf die Trails zieht. Was ein Trail ist, kann/darf/soll jeder für sich selber definieren. Für mich ist es ein schmaler Weg, wechselnd voller Wurzeln und Steine. Und diese Pfade gilt es zu suchen, zu laufen und zu genießen. Ein Lauf auf der Straße hat auch seine Reize, aber ich finde sie geistig phasenweise viel ermüdender. Und manchmal fällt es einfach schwer sich zu motivieren beispielsweise Intervalle möglichst schnell zu ballern.

Für Likes

die Gesundheit riskieren

Immer schneller. Immer weiter. Diesen Trend gibt es allerdings auch beim Trailrunning wie in so vielen Bereichen unseres Lebens. Viele bekannte Blogs aus dieser Läuferszene haben das Thema in den vergangenen Wochen aufgegriffen. Anlass dafür waren zum Teil hohe DNF-Quoten bei Wettkämpfen. Auch ich beobachte, dass Läufer*innen mit vielen Followern ihre Projekte anpreisen und stolz verkünden „ich kann das, ich mach das“. Die Medaille der Außenwirkung funkelt nur gerade so, aber die zweite Seite der Münze (Training, fehlende Erfahrung) wird ausgeblendet. Ich finde es auch unverantwortlich, wenn Straßenläufer blindlings einen Ultra (also Strecken über 42,2km) im alpinen Gelände laufen wollen. Für was? Für Likes? Um sich selber etwas zu beweisen? Aber grundsätzlich gilt das Selbe wie auf dem Teer: Mit kürzeren Distanzen bei Wettkämpfen beginnen, das Training, die Wettbewerbe über Monate, gar Jahre über anpassen und dann erst einen Marathon laufen. Es mag Einzelfälle geben, die wissen auf was sie sich einlassen. Aber bei einem Trailwettkampf kommen noch die Faktoren Wetter, möglichweise eine Startzeit in der Nacht und eine andere Beanspruchung des Körpers hinzu. Neben den Gedanken an die eigene Gesundheit, sollte man auch an die Konsequenzen einer Verletzung im Gelände denken. Gefahr für Mitmenschen und ein eigenes hohes Risiko, dass nicht innerhalb kürzester Zeit jemand da ist wie in der Stadt.

Zugegeben, das ist nur meine Meinung, die nicht auf hunderten Laufkilometern in den Bergen beruht. Aber: 1) „Der gesunde Menschenverstand“ könnte einem vor so manch Strecke mit zahlreichen Höhenmetern warnen. 2) Bereits mein erster Trail im Lamer Winkel im Frühjahr 2016 hat mich Respekt vor Höhenmetern gelehrt. Ich empfand es selber als so frustrierend, dass die Kraft und Konzentration fehlten die Strecke trittsicher und möglichst zügig zu meistern. Sicher, auch ich träume davon mich stundenlang in den Bergen lächelnd fortzubewegen. Aber bevor ich mich zu wirklich langen Strecken bei Veranstaltungen anmelde, heißt es üben, üben und dafür reichen aktuell Wettkämpfe um die 30km und das dazu gehörige Training.

erste Schritte schmerzen

Das bin ich meinem Körper schuldig. Wenn es um Höhenmeter geht, bin ich eine Anfängerin. Das bedeutete am Anfang: Es tut weh. Es gilt geduldig zu bleiben.

Trotz der immensen Faszination, die für mich von Trails ausgeht, will ich auch weiterhin an Volksläufen teilnehmen. Wieso? Das Ergebnis ist messbarer, ein Halbmarathon ist ein Halbmarathon und sie sind untereinander leichter zu vergleichen. „Ich kann es.“ Schließlich bin ich darin geübt. Ein Trailwettkampf ähnelt wiederum keinem anderen. Für mich zählt die Mischung aus möglichst vielen motivierenden Punkten: Kraftvoll in den Bergen laufen zu können. Neue PB auf der Straße aufstellen. Dadurch kommt keine Langeweile auf. Selbstredend gilt es Schwerpunkte zu setzen. Kein Läufer ist eine eierlegende Wollmilchsau und über jede Distanz auf jedem Untergrund gleich gut unterwegs. Dieser Mix soll am Ende aber wiederum nur ein Ziel haben: Die Freude am Laufen. Und das möglichst lang und verletzungsfrei.

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