Ein Thriller von Rainer Zube über drei Veganer, die in das Visier eines Fleischproduzenten geraten und für ihre Ideale ihr Leben aufs Spiel setzen. Der Beginn einer Trilogie.

Auf der einen Seite stehen drei engagierte Veganer, die zusammen Plakate kleben, Schweine befreien und auch in der Liebe zueinander verbunden sind. Auf der anderen Seite gibt es eine Handvoll Männer, die morden, ein gestörtes Sexualleben haben und sich zum Teil irgendwann, irgendwie treffen. Diese zwei Pole „vegane Tierschützer“ und „brutale Männer“ prallen in der Trilogie von Rainer Zube aufeinander. Im Zentrum steht die vegan lebende Mathematikstudentin Miriam, deren beabsichtigter Tod bzw. Missbrauch, die Männer am Ende von Teil 1 verbindet. In diesem Beitrag geht es um den ersten Teil der Trilogie „Schnittmengen“.

verwirrender Einstieg

Kurzgefasst: Ich fand das Buch am Anfang etwas anstrengend, weil nach wenigen Seiten, zum Teil weniger als zwei Stück, von einem zum anderen Protagonisten gesprungen wird. Ich verwechselte Namen, vergaß die Vorgeschichten und kaum wusste ich, wo ich war, ging es wieder weiter. Von Anfang an offensichtlich verbunden sind nur die Tierschützer untereinander. „Schnittmengen“ baut langsam, aber stetig an Spannung auf. Zum Ende hin verdichtet sich die Handlung, wird schneller und fesselnder. Deshalb freue ich mich auf Teil 2.
Die Männer sind alle sehr „schräge“ Typen, zum Beispiel ein Rocker, der eine Werkstatt betreibt um seine illegalen Geschäfte zu vertuschen; ein Psychiater, der bei seiner Mutter wohnt; ein „Bird-Watcher“ der nicht nur gerne Vögel beobachtet, sondern auch Joggerinnen. Unterschwellig entsteht schon nach wenigen Seiten der Eindruck, dass sie sexuell gefährlich sein könnten. Frauen begehren, wollen, sich nehmen – zur Not mit Gewalt. Die Charaktere der Männer werden vielschichtig aufgebaut, welche prägenden Ereignisse gab es in der Vergangenheit (wie das Auslachen von einem Mädchen wegen dem ersten Liebesbrief), wie leben sie aktuell (beispielsweise bei der Mutter bestimmt durch starre Rituale) und, was treibt sie an (etwa Miriam missbrauchen zu wollen). Das gibt ihnen Tiefe, aber durch den Aufbau des Buches, dem ständigen Wechsel, sorgt es eben auch besonders am Anfang für die Verwirrung.

eine Borderlinerin steht
im Zentrum der Geschichte

Die Hauptprotagonistin Miriam studiert Mathematik. Sie engagiert sich mit ihrem Freund im Tierschutz und rettet beispielsweise in einer Nacht mehrere Schweine aus einer Mastfabrik. Sie geht zur Therapie und ist vielleicht eine Borderlinerin. Seit das Buch „Durchgeknallt: Seelenleben“ von Susanna Kaysen 2001 mit Winona Ryder und Angeline Jolie verfilmt wurde, ist diese Krankheit meinem Empfinden nach immer mehr ins Bewusstsein der Gesellschaft gerückt und wird häufig weiblichen Charakteren zugeschrieben. Miriam hat also nicht nur psychische Probleme, sondern steht allgemein auf sehr wackligen Beinen im Leben. Schwankt zwischen ihren verschiedenen Rollen: Mathematikstudentin. Tierschützerin. Liebende für einen Mann und für eine Frau.

Zurück zum Buchaufbau: Der ständige Wechsel von einem Protagonisten und zum anderen hat seine reizvollen und nervigen Seiten. Gut finde ich, dass dadurch Spannung und Leselust aufgebaut wird, weil man eben wissen will, wie es nun „hier“ weitergeht. Ist es bei einer Person aber gerade spannend und wird man dann schnell wieder aus der Handlung rausgerissen nervt es. Es fühlt sich so an als müsste man seinen Freund im Café zurück lassen obwohl man noch gerne bleiben und weiter reden möchte. Trotz dieses ständigem Wechsels gelingt es dem Autor detailreiche Szenen rund um seine Personen aufzubauen. Der Leser sieht, hört, riecht und spürt den Augenblick. Das ist schön und schafft Nähe zur Story.

Cocktail aus Sex,
Tierschutz und Gewalt

In Kapitel 3 gibt es zwischen den meisten der Charaktere zum ersten Mal eine Verbindung. Und es wird immer mehr über den Tierschutz geschrieben. Ein Fleischproduzent setzt eine „Security Firma“ auf die Tierschützer an, die in seine Schweinefabrik eingebrochen sind. Im weiteren Verlauf vermischen sich Tierschutz, Rückblenden in das Leben der Männer, das Liebesleben der drei Veganer und zugleich beginnen sich ihre Leben aufeinander zuzubewegen.

Der Autor Rainer Zube arbeitet in einer Praxis als niedergelassener Philosoph. Seine Sprache ist für mich angenehm. Nicht ganz einfach. Nicht überfordernd. Der Thriller ist eine gute Unterhaltung. Und die Mischung aus den Themen Tierschutz, Liebe und Begierden mit vielschichtigen Charakteren ist reizvoll und damit „Schnittmengen“ ein kleines Lesevergnügen.

(Der Verlag war so freundlich mir ein Belegexemplar zur Verfügung zu stellen.)

2 comments

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    1. Fahnie

      Dir auch fröhliche Weihnachten und vielleicht bald viel Freude beim Lesen des Buches.

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