25km. 1200HM. Über 4h auf der Strecke. Das sind die Zahlen zu meinem ersten Berglauf, den „Osser-Riese“ beim U. Trail Lamer Winkel. Es war ein Erlebnis, das mich an meine körperlichen Grenzen gebracht hat, weil die Kraft überall zu fehlen schien. Dennoch war es toll auf den Trails im wunderschönen Bayerischen Wald unterwegs zu sein. So kam es dazu, so war es und so stelle ich mir die Zukunft vor.

Voller Vorfreude und ohne spezifische Vorbereitung auf einen Berglauf stand ich am 28. Mai am Sportplatz in Lohberg und wartete auf den Start zu meinem ersten Trailevent. Dank social media Bekanntschaften lief ich die ersten Kilometer nicht alleine, sondern in einer lieben Mädelsgruppe. Das Reden und der gemütliche Start täuschten allerdings nicht darüber hinweg, dass meine Waden beim ersten Anstieg innerlich schon ein Feuerwerk, ihr erstes in meinem Läuferleben, abschossen und brannten.  „Hallo schlechter Lauftag, schön, dass Du genau heute da bist. Das kann ja was werden.“ Etwas überrascht war ich, dass die Menge um mich herum beim ersten leichten Anstieg sofort ins Gehen verfiel. Ich tat es ihnen gleich. Erkannte mich nicht wieder, obwohl ich in der Stadt wohne, gibt es auch hier schöne versteckte Trails und die kann ich locker laufen. So nicht hier. Egal. Anpassen. Durchziehen.

Nach der ersten Verpflegungsstation kontrollieren, ob die Ausrüstung noch sitzt und weiter ging es.

Nach der ersten Verpflegungsstation kontrollieren, ob die Ausrüstung noch sitzt und weiter ging es.

spontane Anmeldung und den Lauf fast schon vergessen

Aktuell nehme ich zwar hauptsächlich noch an Straßenläufen teil, aber träumen und sehnen tu ich mich mehr nach dem Wald und die Berge. Ich liebe es, wenn sich die Gedanken nur darauf fokussieren, wo der nächste Schritt hin muss. Und deshalb meldete ich mich auch für den „Osser-Riese“ am 1. Dezember 2015 an als ich auf Facebook las „Anmeldung eröffnet“. Das Jahr zuvor stand gefühlt überall wie toll der Ultra Trail Lamer Winkel sei und bei der zweiten Auflage wollte ich dabei sein. Also, zack schnell angemeldet und noch schneller vergessen. Deshalb machte ich den Lauf auch aus meinem aktuellen Training für nen 10km-Wettkampf.

Selbstüberschätzung

Diese Spontanität und Priese Naivität musste ich etwas büßen, denn die Strecke verlangte mir alles ab. An ein hochlaufen war selten zu denken. Wurzeln. Steine. Alles zehrte an meiner Kraft. Ich wollte, aber konnte zum Teil nicht laufen, weil ich auf Steinen abrutschte und drohte umzuknicken. Deshalb war das erste Ziel „heil ankommen“. Überraschenderweise nahm ich die Umgebung nicht so stark wahr wie im Vorfeld erwartet. Ich habe auch bis auf die zwei folgenden Fotos keine Bilder unter dem Lauf gemacht.

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Blick nach unten. Die liebe Nina, links mit den Stöcken im Bild, steckte mich mit ihrer positiven Einstellung „denk an was Schönes und stell Dir vor wir wandern“ an.

 

Blick nach oben. Wobei es besser war einen Schritt nach dem anderen nach oben zu setzen.

Blick nach oben. Wobei es besser war einen Schritt nach dem anderen nach oben zu setzen.

Ich war so dankbar als es nach dem ersten Anstieg hoch zum Zwercheck mal 3-4km auf einer Froststraße entlang ging und ich locker laufen konnte. Das gab mir etwas Selbstvertrauen für den nächsten Anstieg rauf auf den Osser. Das war schon eine etwas zähe Sache. Oben angekommen war es aber wunderschön und ich hätte gerne eine Pause gemacht, um die Aussicht zu genießen. Die Pause gab es aber erst bei der letzten Verpflegungsstation, weil ich dringend Energie brauchte. Und wie gut die veganen Energiekugeln schmeckten. Da setzte ich mich dann auch etwas hin, aß, trank und blickte den vorbeiziehenden Läuferin hinterher. Ich bewunderte jeden, der mit einem roten Nummernschild und somit insgesamt 53km lief. Respekt. Unvorstellbar.

Was macht das Seil an dem Stein?

Sehr gespannt war ich dann auf den sagenumwobenen „holy trail“ über den ich in Blogs und Zeitschriften las. Davor machte ich allerdings noch einmal große Augen als ich ein Seil an einem Stein hängen sah. Meine Kraft in den Armen reicht dazu, dass ich Messer und Gabel halten kann, aber mich irgendwo hochziehen. Es ging doch. Und war nur halb so schlimm. Dennoch spürte ich noch nie zuvor bei einem Wettkampf, dass mehr Kraft gut wäre. Ich verfluchte die Steinformationen, die dann folgten. Als Dank schlug ich irgendwo mit dem Knie dagegen und blieb einmal in einer Spalte mit dem Fuß stecken. Safety first ging es also ruhig die letzten Kilometer ins Ziel hinunter. Und das kann ich nicht anders schreiben: Es war so schön, dieser kleine schmale Pfad, die Stille und ich konnte nicht mehr ansatzweise so über den Trail laufen wie ich wollte. Da floß auch mal ein Tränchen. Selbst die letzten Kilometer über eine Wiese nach Lam ins Ziel waren also anstrengend für mich und ich war so froh als ich im Ziel war. Sehr treffend für das Event fand ich die Frage eines Organisators als ich ins Ziel kam „Hat es Dir gefallen?“. Ja, es gefiel mir!

Die letzten Schritte ins Ziel und ich war noch nie so froh darüber auf Teer zu laufen.

Die letzten Schritte ins Ziel und ich war noch nie so froh darüber auf festem Untergrund zu laufen.

Es war ein tolles Event. Die Zuschauer. Die Helfer. Die Strecke. Es war aber auch eine lehrreiche Erfahrung: Damit so etwas ansatzweise lockerer geht, muss sich das Training anpassen. Hätte ich gewusst, dass ich über 4h für den Kurs brauche und aktuell im Training maximal 90/100min locker durch die Gegend tuckere, wäre mir dezent anders geworden. Ich weiß noch nicht, wie ich Straße und Trail in Zukunft kombinieren werde und kann. Aber die Anmeldung für den „Auerhahntrail“ mit 35km und 1500HM beim Arberland Ultra Trail ist raus. Gestartet wird aber nur, wenn es im Vorfeld eine ordentliche Vorbereitung gab. Ansonsten bleibe ich 2016 noch in erster Linie der Straße treu. Abwarten. Hauptsache Spaß am Laufen haben.

7 comments

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  1. Steve

    Herzlichen Glückwunsch zum Finish und viel Spaß bei den weiteren Trailevents

    Einmal angefangen, ist es schwer wieder davon wegzukommen 😉

    Viele Grüße aus Bad Reichenhall

    Steve

    1. Fahnie

      Danke Steve. Das stimmt, ist die Liebe zu den Trails einmal geweckt, wird sie immer stärker.

  2. Robert

    Jede Liebe fängt mit etwas an. Die zum Trail hast du nun gestartet 🙂

    Viel Spaß noch!

    1. Fahnie

      Danke Robert

  3. Heico Sand

    Herzlichen Glückwunsch zur tollen Leistung. Es war eine großartige Laufveranstaltung und auch mein erster Lauf in Lam. Die Emotionen sind immer noch groß nach dem Lauf und macht Lust auf die 56km in 2017. Weiterhin viel Spaß beim trailen.

    1. Fahnie

      Hallo Heico, dem kann ich mich nur anschließen, es war eine tolle Laufveranstaltung. Vielleicht also bis 2017

  4. chris

    na lief doch… 😉
    mir gings 2015 beim Zut genauso, ich hab mich auch ins Trailen verliebt, leider ist Berlin von allem so weit weg;(
    Glückwunsch jedenfalls zum finish!
    Flitzpiepenmäßige Grüße aus Berlin

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