Was zeichnet das Laufen aus? Welche spannenden Reisen gibt es nach Kiew und Jerusalem? Weshalb ist der Kopf genau so wichtig wie die Beine? Darüber und noch über viel mehr schreibt Sandra Mastropietro in ihrem Buch „Läuferleben: Von Freude und Schmerz – Gedanken über den schönsten Sport der Welt“. Eine Rezension.

Mit Abstand am besten gefiel mir das Kapitel Laufreisen. Sandra nahm beispielsweise schon an Wettbewerben in Jordanien, Kiew und Jerusalem teil. Die Berichte zeichnen sich durch Details über die Strecke, das besondere einer jeder Veranstaltung aus und eben die persönlichen Erlebnisse während des Laufes. Hier gelingt es der Autorin Geschichten aufzubauen, einen förmlich an die Hand während ihres Laufes zu nehmen. Begleiten darf man sie bei sportlichen und persönlichen Erfolgen bis hin zum Kreislaufkollaps. Nach der Lektüre des Buches hätte ich jetzt beispielsweise Lust mal den Islay-Halbmarathon zu laufen. Wenn Wasser, Whiskey und Schottland keine überzeugenden Argumente für einen Start sind.

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Sandra Mastropietro: Ultraläuferin. Mama. Autorin. Powerfrau. Laufvorbild. (Foto: Romina Bullen)

Neben dem Kapitel „Faszination Laufreise“ gibt es noch „Laufen!“, „Laufen im Alltag“, „Erfolg ist (auch) Kopfsache!“ sowie „Von der langweiligen Theorie“. Damit werden alle Themen behandelt mit denen sich ein Läufer früher, oder später beschäftigt wie Laufklamotten, Trainingspläne, Stabilisationsübungen und Ernährung. Besonders gut fand ich, dass Sandra neben Tipps zum Lauftraining auch etwas über die mentale Seite des Laufsports geschrieben hat. Als einfach und dafür umso effektiver finde ich es auch sich realistische Ziele zu setzen. Dazu gehören auch Etappenziele, weil deren Erreichen motivierend ist und man so leichter mit Freude und Lockerheit am Trainieren bleibt.

Sehr bereichernd hätte ich an manch Stelle etwas mehr Tief gefunden. Wie bei dem Thema „Warum Laufen oft die beste Therapie ist“: „Cortisol wird von der Nebenniere als Reaktion auf vermeintliche Gefahr gebildet und bereitet den Körper auf Kampf oder Flucht vor.“ Durch das Laufen kann der Körper das Stresshormon Cortisol besser abbauen. Ich lese solche Informationen immer wieder gerne. Und das darf dann etwas ausführlicher sein. Leicht verständlich Wissen vermitteln. Ansätze dazu fand ich, aber die Umsetzung viel zu kurz aus.

Selbstversuch: vegane Ernährung

Das Thema „vegane Ernährung“ wird durch einen Selbstversuch behandelt. Ein Klassiker. Leider finden sich auch typische Vorurteile „es war teurer“ „Veganer vermissen sicher mal Haribos“. Sie haben eben einen wahren Kern. Gerade bei dem Thema befindet man sich immer auf einen sehr schmalen Grad aus aufklären, kritisch bleiben und am Ende mosert doch immer eine Seite rum. Ich ernähre mich auch vegan und die zwei Hauptgründe „besseres Körpergefühl“ und ethnische Gründe gehen dabei Hand in Hand. Für die Autorin ist das bessere körperliche Lebensgefühl entscheidend. Ich kann das Leid der Tiere und mein Leben nicht trennen. Aufgeschlossen sich mit dem Thema auseinandersetzen und verschiedene Wege akzeptieren. Das zählt. Und das kommt in dem Buch so rüber. Abgerundet wird das Kapitel durch Rezepte. Und Inspiration zum Essen ist immer gut.

Zur Autorin: Sandra ist 28 Jahre alt. Lebt in München. Ist eine passionierte Läuferin. Und das Buch geht auf ihren Blog zurück. Leider schreibt sie dort nicht mehr über ihr Läuferleben. Ihr letzter Bericht gefällt mir sehr gut, weil ich die Botschaft darin so übernehmen kann: Mehr Realität auf instagram und Co. Statt Likes lieber schöne Moment im „real life“ sammeln. Passend dazu, ein Zitat aus dem Beitrag: „Also, genießt Euer Leben; strebt nach dem Besten aber nicht nach dem Perfekten!“

ein Buch wie ein Facebook-Post

Gewöhnen musste ich mich bei dem Buch erst an die Sprache. Einfach. Sehr plakativ. Viele Ausrufezeichen, wobei sich die Autorin bei diesem Tick selber auf die Schippe nimmt. Also es ist eben kein literarische anspruchsvollen Werk, sondern eher vergleichbar mit einem langen Eintrag auf instagram oder facebook. Aber das ist ok, weil das ist meinem Empfinden nach auch der Anspruch des Buches ist: Unterhalten. Einem zum Lächeln bringen. Informieren. Und eben nicht vergleichbar mit der Sprache einer Stefanie Sargnagel oder Friederike Gösweiner.

Ich freue mich auf ihr zweites Buch „#Läuferleben – Nichts als die Wahrheit über das Laufen“. (Nachtrag: Ich habe auf run.de etwas durcheinander gebracht. Aktuell ist kein zweites Buch in Planung. Aber vielleicht war das meinerseits eine Prognose, Wunschdenken.) Es wird sicher eine schöne Lektüre. Ich würde gerne mehr über ihr Training und noch längere Reiseberichte lesen. Und hoffe es knüpft an die Botschaft Mut zum eigenen Training, lockeren Umgang beim Thema Essen und nicht perfekt sein an – eben zu all seinen Facetten stehen. Und die zentrale Botschaft im ersten und zweiten Buch ist gewiss die gleiche: Laufen ist der schönste Sport der Welt.

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