„Weshalb regst Du Dich bei dieser Zeit auf, das ist doch super?“ „Ach von der lasse ich mir eh nichts sagen, weil sie langsamer wie ich läuft.“ „Boah, die ist aber ganz schön schnell geworden und dabei immer noch pummlig.“ Weshalb müssen wir unsere Laufzeiten ständig vergleichen? Stutenbissigkeit! Was bringt das? Schlechte Laune! 

Prägend war für mich als ich vergangenes Jahr nach einem Wettkampf  total gefrustet nach Hause kam, weil ich mit meiner Zeit nicht zufrieden war und und in meinen Bericht also schrieb „scheiß Zeit“. Statt verständnisvolle Worte, oder Fragen lese ich mehrmals „reg‘ Dich doch nicht auf, ich wäre froh so eine Zeit zu laufen“. Daraufhin war ich noch genervter. Seitdem kann ich bei vergleichbaren Situationen nur noch den Kopf schütteln für eine scheinbar sehr einfache Rechnung meines Gegenübers:  deine Zeit = meine Zeit = dein Trainingszustand = mein Trainingszustand. Das ist falsch und zu einfach gedacht. Die Erfahrung und all die vielen Kommentare, die ich lese, sagen allerdings etwas anders: Wahllos werden Zahlen in Relation gesetzt und meistens steht am Ende der Rechnung auf beiden Seiten Frust.

trainieren und
nicht träumen

Im Gegensatz dazu vergleiche ich mich ja auch nicht mit Profisportlern, seit Jahren laufenden Mädels, oder Läuferinnen, die sehr viel trainieren und beispielsweise auch regelmäßig etwas für Ihre Kraft tun. Nein. Ich kann schon von Zeiten träumen, aber dafür müsste ich noch mehr tun und manches werde ich eh nie erreichen. Das ist ok. Wenn ich das Bedürfnis habe meine Leistung in Relation zu setzen, dann tue ich das mit meinen eigenen Zahlen, oder engen Freunden bei denen ich einschätzen kann, ob sie „vergleichbar“ sind. Entscheidend ist meinem Empfinden nach, dass man nicht nur die nackten Zeiten vergleicht, sondern all die Faktoren außenrum „Training. Kraft. Vorbereitung. Erfahrung. … “

Und für was? Ein freundlicher, interessierter und neugieriger Austausch gerne. Aber wie schnell ist dann der Weg zum Nörgeln eingeschlagen. Bei manchen habe ich das Gefühl, es ist eine Einbahnstraße und sie landen zwangsläufig bei „ja, aber“. Lasst es doch bleiben. Wenn das mehr so machen würden, gäbe es diese überflüssigen Kommentare und peinlichen Unterhaltungen nicht mehr. Ich will auch mit niemanden minutenlang darüber diskutieren, weshalb/wieso Streifenhörnchen A fünf Sekunden schneller war als Streifenhörnchen B“.

Gefühle lassen sich nicht
nicht Zahlen messen

Lasst es doch einfach bleiben und fragt Euch selber „bin ich mit mir zufrieden?“. Nur das zählt und ihr entscheidet darüber. Zugegeben, fast niemand wird sich merken wie schnell ihr gelaufen seid. Was bleibt sind Eure Erlebnisse und die Bilder. Der Frust nicht alles gegeben zu haben. Die Freude eine neue Bestzeit gelaufen zu sein. Oder einfach: Spaß beim Laufen gehabt zu haben und bei nem tollen Event mit Freunden gewesen zu sein. Gefühle lassen sich nicht in Zahlen messen.

2 comments

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  1. Tina

    Liebe Fahnie,

    danke für den Post! Du sprichst mir und bestimmt vielen anderen Hobbysportlern aus der Seele.
    Zweiten sind im Breitensport einfach nicht vergleichbar. Wir müssen arbeiten, der eine Eine vielleicht 30 Stunden in der Woche, der Andere 60 Stunden und das noch im Scichtdienst. Während Streifenhörnchen A nichts anderes tut, als zu laufen hat Streifenhörnchen B noch viele andere Hobbies. Und Streifenhörnchen C hat vielleicht eine Krankheit hinter sich und versucht einfach nur, fit zu werden.
    Besonders schade finde ich, dass wir uns oft gegenseitig in den verschiedenen sozialen Netzwerken hochstacheln. Eine kleine Challenge ab und an mag bestimmt auch motivationsfördernd sein. Manchmal beschleicht mich aber das Gefühl, dass bei einige eine gehörige Portion Narzissmus am Werk ist und der Spaß schon lange keine Rolle mehr spielt. Und was in den sozialen Netzwerken Realität ist, wird auch im RL Realität. Ich bin Streifenhörnchen C und war manchmal wirlich aufs Tiefste erschüttert, mit welchen Kommentaren man von anderen, wildfremden Mitsportlern bedacht wird, wenn man nicht mit einem 6er-Schnitt (füge einen Wert Deiner Wahl ein) an der Isar entlang prügelt.

    In diesem Sinne: have fun and keep on running!

    Liebe Grüße
    Tina

    1. Fahnie

      Hallo Tina, herzlichen Dank für diesen – den ersten – Kommentar auf meinem Blog. Schön, dass Du Dir die Freude am Laufen auch nicht durch unbedachte, zum Teil dumme, Bemerkungen trüben lässt. Lieber Gruß

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