Auerhahntrail: „have fun, tu Dir nicht weh und sch*** auf die Zeit“

Als ich das Wasser der Rießlochfälle plätschern höre, mich an den herbstlichen Farben und dem Laub nicht satt sehen kann und zugleich noch kraftvoll und konzentriert den schmalen Trail entlang laufen kann, weiß ich: Bei mir passt alles für den Auerhahntrail mit seinen 35km und 1500HM. Und der Gedanke ans Ende stimmt mich traurig. Also die letzten Kilometer zurück nach Bodenmais lächeln und genießen. Mein Bericht über meinen zweiten Traillauf und den ersten Arberland Ultra Trail.

Der Startschuss fällt. Ca. 250 Läufer*innen machen sich auf Richtung Kleiner Arber, Großer Arber, Arbersee, Mittagsplatzl, Rießlochfälle und zurück nach Bodenmais. Dafür ging es zuerst raus aus dem Marktplatz, über eine Teerstraße mit bereits leichten Anstieg rein in den Wald. Ich war nervös, weil mein erstes Trailevent im Mai sehr fordernd war und weit entfernt von Spaß. Dieses Mal sollte es dank ordentlichem spezifischen Training, dem Einsatz von Stöcken, klarer Zielvorgabe „have fun, tu Dir nicht weh und sch*** drauf wie lange Du unterwegs bist“ und Streckenkenntnissen anders sein.

Hoch zum Kleinen Arber

Die ersten knapp neun Kilometer ging es stetig leicht bergauf. Sobald das Gelände eine gewisse Steigung aufwies, fingen alle zum Gehen kann. Es gelang mir dabei genau so zügig unterwegs zu sein, dass meine Waden innerlich kein Feuerwerk abschoßen. War ich dankbar darüber. Für geübte Trailrunner mag das alles laufbar sein. Für mich – noch – nicht. Aber das ist ein Ziel von mir. Am Anstieg hoch zum Kleinen Arber reihte sich dann ein Läufer an den anderen. Das sieht von der Ferne wie eine Kette mit lauter bunten Perlen aus. Erleichterung dann auf Gipfel Nummer 1, weil schön ist es dann doch, wenn die ersten nennenswerten Höhenmeter gesammelt sind.

Mit dem Kleinen Arber war Gipfel Nummer 1 erreicht.
Mit dem Kleinen Arber war Gipfel Nummer 1 erreicht.

Danach folgte eine kurze Passage nach unten, vorbei am Wirtshaus „Chamer Hütte“, erholsame ebene Kilometer, bevor der Weg hoch zum Arber kam. Der war kurz und fies. Stufen sind immer anstrengend. Also, Stöcke setzen, Beinchen hoch, wegdrücken, weiter, weiter, weiter. Klappte alles wunderbar. Atmung. Beinchen. Alles etwas anstrengend, aber im Wohlfühlbereich. Ein Grund zum Grinsen war das Schild „Achtung Weidetiere“, weil es beim Briefing am Vorabend hieß: „Keine Sorge. Der Bauer hat die Kühe für uns woanders hin getrieben.“ Sehr motivierend war hier der Gedanke an die große Verpflegungsstation, die es am Großen Arber bei der Bahn gab. Die Verpflegung auf der ganzen Strecke war top, Platzierung, Auswahl und die Hilfsbereitschaft der freiwilligen Helfer. Das war auch eine Lektion aus meinem Start beim Osserriesen: Essen. Essen. Und noch viel mehr trinken. Aufgrund der Verpflegungs- und zugleich Ratschpause + kurzzeitigem Warten und Fotopause gab es an diesem Punkt die zwei langsamsten Kilometer der kompletten Streck mit je ca. 16:30min. Im Vergleich dazu war die Pace die letzten vier Kilometer, allerdings abwärts und auf Schotter bzw. Asphalt 5:15min/km.

Ein Reiz am Trailrunning: Wechsel zwischen wandern und laufen

Genau das finde ich schön am Trailrunning. Je nach Untergrund und Steigung kann und muss man sich neu entscheiden: Wie ist es für mich am besten? Laufen. Gehen. Kurz rumfluchen, dann entscheiden. So bleibt es abwechslungsreich. Nicht nur die Beine werden gefordert, sondern ebenso der Kopf. So war es dann auch auf dem Weg runter Richtung Arbersee. Das war neu für mich. Musste an den Text auf der Homepage denken „steiniger Downhill“. Wort. Realität. Stimmt überein.

Abstieg Arbersee
Fotos sind auch eine ideale Ausrede für eine Pause. Hier gerne beim „steinigen Downhill“ zum Arbersee genutzt.

Nach dem fordernden Downhill war es möglich sich während der letzten Meter zum Arbersee auf der Forststraße wieder zu entspannen. Für mich bedeuten Forstwege, erholen, zügiger vorwärts kommen und ich bin die Belastung eher gewohnt. Solche Passagen eignen sich wunderbar zum Reden. Und das kommt bei Trailläufen selten zu kurz. Ich habe mich zum Beispiel sehr gefreut, als sich noch jemand daran erinnern konnte, dass wir bereits im Lamer Winkel einen Abschnitt zusammen liefen. Und man erfährt persönliche Ziele wie „zur Bundesliga um 15:30 Uhr will ich wieder am Marktplatz sein“. Unten am Arbersee gab es wieder eine Verpflegungsstation. Also wieder Energie tanken mit Nüssen und Co und dann ab nach oben zum Mittagsplatzl. Richtig nach oben schauen, wollte ich nicht. Weil man sich dann halt denkt „aha, eben runter und jetzt wieder hoch“. Aber hey, die Sonne schien und meine einzige Aufgabe war es zu laufen, alles zu genießen. Und das tat ich dann auch liebend gerne hoch zum Mittagsplatzl. Der Lohn:

Mittagsplatzl
Der Blick vom Mittagsplatzl auf den Arbersee.

Hier redete mich auch eine Dame an und sagte, ich sei die Erste, die hier stehen bleiben würde seitdem sie hier ist und auch mal runter schaut. Wieder ein Punkt den ich an Trailevents mag: Zeit haben und Zeit nehmen. Wem interessiert es am Ende, ob ich 20min schneller, oder langsamer war? Niemanden. Also brauche ich mich nur an meinen Bedürfnissen orientieren und die dürfen schwanken von Fotopause bis gehen hin zu möglichst schnell laufen. Und das möglichst schnelle Laufen kam bei mir ab km28, weil mich mein Partner ziehen lies.

Dankbarkeit

Und an diesem Punkt freute ich mich einfach nur, dass ich noch in den Beinen und im Kopf die nötige Kraft hatten, um Gas zu geben. Es gibt einfach nichts besseres als kraftvoll durch den Wald zu laufen. Und bei den Rießlochfällen blieb das Handy im Rucksack. Dabei war das einer der schönsten Punkte der Strecke. Nicht so schön war dagegen der letzte kurze Anstieg in Form von Serpentinen. Eigentlich wollte ich danach meine Stöcke wegpacken. Tat es dann doch nicht, weil es sich erstaunlich gut selbst mit ihnen in den Händen läuft. Also lies ich es zurück in Ziel nach Bodenmais eben mit ihnen rollen. Und das ging sehr gut. Dafür war ich eben etwas traurig und zugleich über den Verlauf sehr glücklich als es nach 5:28h vorbei war.

Zielfoto
Glücklich im Ziel. Schuhe aus. Und Füße rein in den Brunnen.

Persönliches Fazit:

– ​An diesem Tag stimmte alles. Und egal wie gut das Training davor war, dieser Faktor X entscheidet am Ende immer mit.

– Ich hatte nun ein Trailevent, das mich überforderte und eins bei dem ich im Wohlfühlbereich war. Also freue ich mich sehr auf die kommenden Veranstaltungen, um die Balance aus Rennen und gut durchkommen zu finden.

– Die Premiere des Arberland Ultra Trail war klasse. Neben dem Auerhahntrail gab es noch einen Ultra mit 60km, 2500HM, an dem 185 Läufer*innen teilnahmen. Organisation. Verpflegung. Preis-Leistung-Verhältnis. Streckenführung. Zwei Anregungen: Vielleicht den letzten Abschnitt in den Marktplatz rein besser markieren, weil als einzige Orientierung die entgegenkommenden Finisher dienten. Und, viel wichtiger … WIEDERHOLUNG 2017 !

 

3 Gedanken zu „Auerhahntrail: „have fun, tu Dir nicht weh und sch*** auf die Zeit““

    1. Danke für den Kommentar und das Foto. Hoffe der Gebrauch ohne Namensnennung ist ok? Freue mich darauf später Deinen Bericht zu lesen.

  1. hallo Fahnie,

    danke für die netten Worte, die du auf meinem neuen Blog hinterlassen hast.
    Freut mich, wenn Du dich wohl gefühlt hast auf dem Trail und ich hoffe deine nächsten Abenteuer werden Dir ganau so viel Spaß bereiten.

    lg Jochen

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