Anita Women’s Trail: Miteinander statt gegeneinander

Drei Tage. Drei Läufe. Ein Haufen Sportlerinnen. Jede Menge Spaß. Und viele Eindrücke. So war für mich mein erstes Trailcamp, dem „Anita Women’s Trail“ in Zell am See/Kaprun. Und das ist mein Bericht dazu:

 

Herrlich: Berge und Wasser, was will frau mehr.

 

1. Tag: „Women’s Night on Trail“ mit 5km und 300HM, oder „Lauf in die Nacht“

Vor dem ersten Lauf noch schnell ein erstes Erinnerungsfoto gemacht. Foto: wusa on the mountain

Wie ein Schwarm Glühwürmchen zieht sich die Schlange von Läuferinnen erst aus Zell am See raus, dann kurz den Berg hoch und wieder runter. Es sieht einfach wunderschön aus, all die Lichter im Wald. Und wie dankbar bin ich doch über meine ausgeliehene Stirnlampe, denn mit meiner 0815-Stadt-Hirnbirn, wäre ich hier im Wald verloren gewesen. Ganz am Anfang ist das Feld noch dicht beieinander, aber dann zieht es sich auseinander. Und gerade beim Downhill ist es unerlässlich die Regenrückhalthölzer zu sehen um möglichst elegant darüber springen zu können. Aber hier zeichnet sich schon ab: Bergauf wird anstrengend für mich und bergab wird mich viel Konzentration kosten.

Nach 38:56min war der erste Lauf für mich vorbei.

 

2. Tag: „Women’s Panorama Trail“ mit 15,3km und 786HM, oder „Was mache ich hier?“

Um 10 Uhr fällt der Startschuss zum zweiten und längsten Lauf des Wochenendes. Nur kurz geht es eben und entspannt dahin und dann ab auf den Berg, „hallo Anstieg“. Auch hier wieder: Am Anfang bin ich gut dabei und dann zähle ich die Läuferinnen, die mich beim hochwandern überholen. Auch hier wie bei jedem anderen Trailevent läuft die Mehrheit nicht den Berg hoch, sondern „wandert“ irgendwann nur noch so schnell wie möglich. Da es die ersten Kilometer nur nach oben geht, habe ich keinen Nerv für die Umgebung, nur ab und zu lasse ich den Blick schweifen.

Höhenmeter sammeln

Regelmäßig schaue ich auf meine neue Laufuhr, weil mir die nun auch während einem Lauf die Höhenmeter anzeigt. Zuerst fiebere ich auf 350HM und dann die 700HM hin. Bei der „Halbzeit“, also 350HM hätte ich am liebsten nen kleinen Freudenquietscher gemacht. Nachdem jeder Lauf ein Rennen mit Zeitmessung war, habe ich versucht so viel wie möglich zu laufen. Und da war es für mich sehr motivierend mich an den anderen Läuferinnen zu orientieren, ganz nach dem Motto: „Wenn die jetzt schon wieder laufen, dann kann ich das auch.“

Frisch gestärkt nach der Verpflegungsstation ging es weiter. Foto: wusa on the mountain

Und wie habe ich mich dann gefreut als wir oben beim Speichersee waren und es eine Verpflegungsstelle gab. Nachdem ich gedankenlos meinen Rucksack daheim lies, war ich darauf auch angewiesen. Und hier musste ich dann gefühlt auch die Aussicht genießen und Fotos machen. Weil der Lauf so kurz war, gab es so ruhige Momente eher selten, beim Auerhahn am Arber war so eine Verpflegungsstation schon mal ein Grund zehn Minuten Pause zu machen und alles zu genießen, aber der Lauf hatte eben auch den doppelten Umfang.

Keine Zeit für Pausen

Aber in Zell am See ging es gleich weiter. Noch einige Meter nach oben, und dann zurück ab ins Tal. Beim bergauf vergesse ich immer, dass bergab jetzt auch nicht so easy ist und es viel Konzentration braucht. Und, weil ich aktuell kaum Höhenmeter sammle fehlt mir die Übung und ich trapse die ganz steilen Passagen eher nach unten und lasse mich mal wieder überholen. Schön, ist es dennoch und gerade die eher flachen Passagen mit Blick ins Tal sind genau die Momente, die ich am meisten liebe und dann einfach sehr dankbar bin, dass ich das erleben kann und darf.

Zu Ende ist dieser Trailrun für mich nach 2:04h.

 

3. Tag: „Women’s Challenge“ mit 13,9km und 312HM, oder „Flach kann ich – an sich“

Auf dem Weg in den Start- und Zielbereich kann ich mir nicht vorstellen wie ich heute noch einmal laufen soll, denn dafür tun die Oberschenkel zu sehr weh. Dabei habe ich mich gerade auf diesen Lauf am meisten gefreut, weil das Profil relativ flach ist und ich es liebe am Wasser zu laufen und hier durften wir mit einem Abstecher rund einen kompletten See laufen. Nicht nur ich habe heute schwere Beine, sondern auch viele meiner Mitstreiterinnen und so setzt sich das Feld auch eher gemütlich in Bewegung im Vergleich zum Freitagabend. Ich habe mich auch eher weiter hinten eingeordnet und überhole ausnahmsweise mal andere Läuferinnen, wobei ich zu zwei Freundinnen schon sage, „wir sehen uns dann am Berg“.

Einmal Ausrutschen gehört dazu

Und so war es, die Höhenmeter kamen und die zwei Mädels waren da. Kurz liefen wir noch zusammen und dann zogen sie dahin. Dabei bekam ich noch einen tollen Tipp: Aufwärts so lange wie möglich mit dem kompletten Fuß auftreten damit die Unterschenkelmuskulatur nicht gleich so sehr belastet wird. Also selbst, wenn wir vermeidlich „gegeneinander gelaufen“ sind, lernt man an so einem Wochenende auch etwas zum Thema Trailrunning sei es durch direkte Tipps oder Beobachten. Gegen die eigene Tollpatschigkeit hilft das hingegen nicht. Und so bin ich auf einem ganz schmalen Pfad auf dem feuchten Boden mit meinen Straßenschuhen ausgerutscht. An diesem Tag haben wohl die meisten ihre Trailrunningschuhe daheim gelassen, was abgesehen von 2-3km auch die richtige Entscheidung war. Nachdem ich schnell wieder stand und weiter lief, habe ich mir erlauft nach einigen Minuten mal einen Blick nach unten, „haha toll, da kommt irgendwo Blut her, tut nicht weh, kann nicht so schlimm sein, also weiter“. Mitleidige Blicke sind einem dafür dann immer garantiert.

Im Ziel war ich nach 1:29h.

Zusammengefasst bin ich an diesem Wochenende 4:12h – km – HM gelaufen und damit auf Platz 37 von 80 gekommen.

Meine persönliches Ziel für die Trails: Mehr machen, dann läuft es auch runder und ich etwas schneller.

 

Stolz und glücklich im Ziel. Foto: Lena

 

Gedanken zum Drumherum:

  • Das Abendessen am ersten Tag mit Burgern und Pommes gab es leider sehr spät. Klar, wenn der Lauf erst um 21 Uhr beginnt und bis dann alle im Restaurant sind, dauert es. Dennoch wäre es hier schön gewesen, einfach schnell und einfach Nudeln mit Soße bspw. von einem Buffet zu kriegen, weil wohl die meisten wie ich auch nur möglichst zeitig ins Bett wollten.
  • Schön und eine tolle Abwechslung zum Laufen war das Yoga am Samstagnachmittag. Die Übungen waren super auf uns abgestimmt und alles eher leicht auf Entspannung und Dehnung für die geschundenen Läuferbeinchen ausgelegt. Ich hasse jetzt nur Klangschalen. Klangschale „bing“, Klangschale „bing“,… Wenn man Klangschalen zur sehr gebraucht können sie eine gefühlt diktatorische Wirkung entfalten.
  • Sehr informativ war der Vortrag von Kerstin Schneehage zum Thema Sportverletzungen. Hier kamen viel mehr Teilnehmerinnen als scheinbar geplant, denn wir quetschten uns in einen kleinen Billardraum, aber der Mehrwert ist hier zumindest für mich ganz klar dennoch „top“. Also beispielsweise in Zukunft nicht nur planken, sondern auch die negative Version davon machen und seitlich. Und diese Übung und jene,… Von mir aus hätte der Vortrag noch länger gehen können damit auch Zeit für das Thema Ernährung bleibt.
  • Erstklassig empfand ich die Streckenmarkierung. Es gab keinen Moment in dem ich unsicher war. Egal, ob nachts oder tagsüber, top.

 

Mehr Berichte:

wusa on the mountain Neben schönen geschriebenen Eindrücken gibt es hier auch tolle Bilder.

die chix on trails Lisa und Iris Zwei ganz flotte und liebe Sportlerinnen.

Sarah Schnell, schneller, Sarah.

2 Gedanken zu „Anita Women’s Trail: Miteinander statt gegeneinander“

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